Einführung Musiktheorie: Die kanadische Kadenz
Andreas Rubisch

Wenn man im Chor singt, wird man des öfteren mit musikalischen Fachbegriffen konfrontiert – Grundton, Terz, Quinte sind ja vielen geläufig, bei Twang, Vocal Painting und Solmisation wird es dann schon spezieller, aber könnt ihr euch erinnern, wann ihr das letzte Mal über Stimmsitz, Blending und Supernieren gesprochen habt?
In letzter Zeit ging es bei uns nun häufiger auch um Kadenzen. Genauer gesagt, um die Vocalband Cadence. Wir haben uns riesig gefreut, als die vier Jungs aus Kanada unsere Einladung angenommen haben, mit uns ein Doppelkonzert im Rahmen der Dresdner Jazztage zu gestalten.
In den letzten Wochen gab es intensive Vorbereitungen auf dieses Konzert, unter anderem auch auf unserem Herbstprobenwochenende zwei Wochen davor. Am letzten Samstag war es dann soweit.

Wir haben David, Ross, Lukas und Kurt bereits am Nachmittag kennenlernen können, da haben wir uns für einen zweistündigen Workshop getroffen. Dort haben wir gelernt, wie man Trompete, Posaune, Mundharmonika, E-Gitarre und Schlagzeug “spielt” — natürlich alles mit dem Mund gemacht. Es ist erstaunlich, wie echt ihre Imitationen klingen, davon konnten sie das Publikum in ihrem Konzert auch restlos überzeugen. Außerdem haben die vier einen ihrer Klassiker für uns gesungen, “Hit That Jive, Jack”, der Song blieb vielen von uns bis nach dem Konzert im Ohr hängen. Und wir haben uns viele gute Hinweise und Tipps für einige unserer Jazz-Stücke geholt, von denen wir im Konzert auch eines mit Cadence zusammen gesungen haben.

Nach dem Workshop hatten wir zwischen Soundcheck und Abendessen mit Jazzchor-Buffet sogar noch Zeit, ausgiebig unsere neuen Make-Up-Fähigkeiten zu testen, nachdem wir ja zum Probenwochenende bereits einen Workshop mit der Maskenbildnerin Sabine Marschall hatten. Sogar die Männer haben sich kreativ betätigt und Lidstrich und Puder appliziert — mit Erfolg und ohne ausgestochene Augen.

Unser Konzert selbst war ein rundes und ausgewogenes Programm, aus bestehenden Repertoire-Stücken und einigen neu einstudierten Titeln, die doch für Überraschung sorgten: So haben wir für unser Arrangement von Zap Mamas “Take me Coco” eine Body Percussion Choreographie verwendet, und uns für Charles Parkers “Yardbird Suite” die wunderbare Kateryna Kravchenko auf die Bühne geholt, die ein umwerfendes Scat-Solo präsentiert hat. Kennenlernen konnten wir die Sängerin bei der Eröffnung der Jazztage. Sie hatte das Stück ebenfalls in ihrem Programm und so fragten wir sie spontan, ob sie es nicht mal mit uns zusammen singen möchte.

 

Nach unserem Programm war dann Cadence an der Reihe, und nahm das Publikum mit auf eine spannende, abwechslungsreiche Reise durch die A Cappella-Welt. Zwischen Swingklassikern und Adaptionen kanadischer Volkslegenden, Arrangements kanadischer Popmusiker*innen und Beatles-Songs gab es auch ein ausgedehntes Beatbox-Battle zwischen Kurt und David, bei dem sogar das Publikum mitmachen durfte. Und natürlich viele virtuose Instrumentalsoli auf Trompeten, Mundharmonikas, Bass und Schlagzeug.

Als besondere Zugabe durften wir dann auch nochmal auf die Bühne, um mit den vier Jungs zusammen das Stück “Springtime” zu singen und zu zeigen, was wir im Workshop gelernt hatten.
Alles in allem war es ein wunderbarer Konzertabend, wir hatten viel Spaß, haben viel Neues gelernt und haben vier tolle Menschen kennengelernt, die wir gerne mal wieder nach Dresden einladen. Und womit sollte man diesen Blogeintrag beenden, wenn nicht mit einer typischen Schlusskadenz? C – F – G7 – C.